
Kronen Zeitung
SENSATIONSTEAM 2022
Können die „Atlas-Löwen“ wieder für Furore sorgen?
Vor vier Jahren hat Marokko die Sensationsgeschichte der Fußball-WM in Katar geschrieben. Die „Löwen vom Atlas“ schalteten Kaliber wie Spanien und Portugal aus und erreichten als erste afrikanische Mannschaft das Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Es war der Anstoß für einen Aufschwung, der vier Jahre vor der Heim-WM (mit Spanien und Portugal) auch in Nordamerika sichtbar sein soll. Problemlos ging es zuletzt allerdings nicht ab, und auch der Druck ist enorm gewachsen.
Zehntausende Fans haben ihr Nationalteam vor vier Jahren in der Hauptstadt Rabat empfangen, nachdem Marokko eine der größten Überraschungen der WM-Geschichte geliefert und Millionen afrikanischer wie arabischer Fans begeistert hatte. Die Kicker aus dem Königreich lieferten auch danach weiter ab. Marokko gewann alle Qualifikationsspiele für die Endrunde 2026, feierte insgesamt 19 Siege in Folge und verbesserte damit den Weltrekord der spanischen „Furia Roja“ (15 Siege in den Jahren 2008 und 2009). Das brachte Rang acht in der Weltrangliste, vor den Niederlanden, Belgien und Deutschland.
Der Afrika Cup im eigenen Land um die Jahreswende sollte den Aufschwung weiter befeuern, endete aber nicht ohne Kontroverse. Die Auswahl des Gastgeber-Landes unterlag in einem Skandal-Finale dem Senegal mit 0:1 nach Verlängerung, bekam aber zwei Monate später den Titel zugesprochen, weil Senegals Team nach einer umstrittenen Elfmeterentscheidung den Platz verlassen und erst nach rund einer Viertelstunde wieder zurückgekehrt war.
Ouahbi in großen Fußstapfen
Teamchef Walid Regragui, der Erfolgscoach der Katar-WM, war bereits zwei Wochen davor zurückgetreten. Er sei ausgelaugt, das Team brauche neuen Schwung, hatte der Teamchef erklärt, der nach der Finalniederlage allerdings auch in die Kritik geraten war. Nur 100 Tage vor WM-Beginn war Ersatz schnell an der Hand. Marokko beförderte Mohamed Ouahbi, der das U20-Team seines Landes im Herbst 2025 sensationell zum WM-Titel geführt hatte. Unterstützt wird der in Belgien aufgewachsene Ouahbi von dem beim LASK glücklosen Joao Sacramento.
Wo die Ouahbi-Auswahl aktuell steht, wird sie schnell sehen. Marokko startet am 13. Juni gegen Rekordweltmeister Brasilien ins Turnier, danach folgen in der Gruppe C die Spiele gegen Schottland (19.6.) und Haiti (24.). Für die Mannschaft um Achraf Hakimi, zweifacher Champions-League-Sieger mit Paris Saint-Germain, und Real-Madrid-Stürmer Brahim Diaz, die auf einen Marktwert von 500 Mio. Euro und damit von transfermarkt.at rund doppelt so wertvoll wie das ÖFB-Team geschätzt wird, sollte der Aufstieg daher sicher gelingen. Aber das ist ohnehin nur das erste Etappenziel.
Marokko will wieder Spuren hinterlassen
„Seien wir ehrlich: Es gibt größere Favoriten als uns. Wir unsererseits befinden uns seit 2022 auf dem Weg nach oben, also versuchen wir, diesen Trend fortzusetzen. Wer weiß, wie weit wir kommen können“, erklärte Torhüter Yassine Bonou, gab sich aber auch selbstsicher. „Bei der WM 2026 wird Marokko erneut seine Spuren im Weltfußball hinterlassen“, sagte der Schlussmann, der auf eine in der Regel stabile Defensive vor ihm bauen kann.
„Ich hoffe, dass wir lernen und wachsen und in unseren Kindern in Afrika eine Fußball-DNA aufbauen, die Bestand hat“, hatte Regragui nach der WM-Sensation vor vier Jahren erklärt. Sie sind auf einem guten Weg, attestiert ihnen auch Experte Pascal Züberbühler von der Technischen Studiengruppe der FIFA. „Marokko macht in den letzten Jahren einen Riesenjob. Sie haben ein sensationelles Trainingszentrum, haben viel investiert und gute Nachwuchsmannschaften. Die Erwartungshaltung ist aber jetzt ein bisschen anders, die ist groß für die Spieler und den neuen Trainer. Es ist interessant zu analysieren, wie sie sich zeigen und ob sie das bestätigen können, was sie bei der letzten WM gemacht haben“, sagte der Schweizer.
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