
Kronen Zeitung
FEHLSTART DER TÜRKEI
„Socceroos“ schocken Bosporus: Sensation bei WM!
Große WM-Überraschung in Gruppe D: Die favorisierte Türkei musste sich am Samstag (Ortszeit) in Vancouver Australien mit 0:2 geschlagen geben. Die Treffer von Nestory Irankunda (27.) und Connor Metcalfe (75.) ließen die „Socceroos“ jubeln.
Mittlerweile weiß man, was man bei Weltmeisterschaften von Australien zu erwarten hat. Seit 2006 sind die „Socceroos“ Stammgast bei Endrunden, die Spielanlage war stets die gleiche. Formiert hinten stehen, kämpfen bis zum Umfallen und vorne den ein oder anderen Stich setzen.
Dieses Konzept hat Australien auch unter Teamchef Tony Popovic beibehalten. Nur zu gerne überließ man in Vancouver der Türkei den Ball, stellte sich hinten in einer Fünferreihe mit einer Viererreihe davor auf und forderte den Gegner auf: Lasst ihr euch doch etwas einfallen, wir ihr uns ein Tor schießt.
Und da hatten die Türken lange gar keine Idee. Die Australier markierten Spielmacher Arda Güler genau, oft mit zwei Mann, ließen den Real-Madrid-Spieler nicht zur Entfaltung kommen. Vorne war die Truppe von Vincenzo Montella auch zu statisch, begnügte sich oft damit, den Ball hin und her zu schieben. Erst in der 27. Minute erspielte sich die Türkei die erste echte Chance und die sollte sich als fatal für sie selbst erweisen. Güler kam da zwar zum Abschluss, doch Australien-Goalie Beach hielt und dann zeigte der Außenseiter die Kehrseite seiner Spielweise.
Blitzschneller Konter
Nach dem Abwurf spielte Okon-Engstler einen Steilpass auf den blitzschnellen Irankunda, der legte den Ball an Demiral vorbei, überrannte diesen und vollendete mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck (27.).
Mit der Führung im Rücken hatte Australien freilich keinen Grund, seine Spielanlage zu ändern. Die Türken fanden als einziges Mittel Distanzschüsse. Und ein solcher hätte in Minute 30 beinahe zum Ausgleich geführt. Da ließ Bardakci aus rund 30 Metern nämlich eine Granate los, Beach war noch mit den Fingerspitzen dran, lenkte den sich gefährlich drehenden Ball gerade noch an die Stange. Einer weiteren Glanztat des Goalies brauchte es nicht, Versuche von Calhanoglu und Güler gingen deutlich vorbei.
Yildiz bringt Dynamik
Nach der Pause kam Juventus-Legionär Kenan Yildiz, der – angeblich wegen mangelnder Fitness – nicht von Beginn an gespielt hatte, auf dem linken türkischen Flügel in die Partie und mit ihm mehr Dynamik. Doch die Australier wollten den Gegner nun überraschen, versuchten ihrerseits, mehr Initiative nach vorne zu entwickeln, ihre deutlich überlegene Größe bei hohen Bällen auszuspielen. Nach einer Ecke hatte Harry Souttar die Chance aufs 2:0 (54.), Torhüter Cakir war aber auf dem Posten.
Die lange beste Chance der Türken hatte Güler aus einem Freistoß (57.), den Beach aber auch recht problemlos parierte. Ansonsten fanden die Osmanen gegen die Australier, die oft zu acht im eigenen Strafraum verteidigten. In Minute 73 gelang es Hakan Calhanoglu, diese tiefe Verteidigung mit einem Lochpass zu überlisten, Celik scheiterte aber aus zu spitzem Winkel an Beach.
Erneut rascher Gegenschlag
Und wieder schlugen die Australier prompt nach einer Großchance der Türken zu. Yildiz vertändelte im Mittelfeld den Ball, setzte nicht hinterher, Connor Metcalfe fasste sich ein Herz und zog ab, Cakir kam an den guten Schuss ins untere Eck nicht mehr heran. In der 75. Minute jubelten Zehnttausende australische Fans lautstark im BC Stadium.
Der schwache Mittelstürmer Aktürkoglu hatte die Chance, es noch einmal spannend zu machen, vergab aber aus aussichtsreicher Position (77.). Das letzte Aufbäumen der Türken gab es durch einen Freistoß Calhanhoglus (86.). Doch am Ende stand mit dem 2:0-Erfolg eine große Überraschung.
Endstand:
Australien – Türkei 2:0 (1:0)
Vancouver, BC Place, 52.497, SR Valenzuela/VEN
Tore: 1:0 (27.) Irankunda, 2:0 (75.) Metcalfe
Gelbe Karten: Keine bzw. Akgün
Australien: Beach – Italiano (74. Geria), Circati, Souttar, Burgess, Bos (83. Behich) – Metcalfe, O‘Neill, Okon-Engstler (83. Irvine), Irankunda (61. Velupillay) – Toure (74. Yengi)
Türkei: Cakir – Celik (80. Müldür), Demiral, Bardakci, Kadioglu – Yüksek (80. Özcan), Calhanoglu, Kökcü (62. Akgün) - Güler, Aktürkoglu (85. Gül), Yilmaz (46. Yildiz)
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